11.2.08

Morgens um Acht...


...ist die Welt noch in Ordnung an der Bahnlinie Venlo-Hamm.

Abends sieht die Sache aber schon anders aus. Das Szenario im Maas-Wupper-Express wird immer bedrohlicher, die Stimmung im Zug von Tag zu Tag aggressiver. Heute gab eine neue Variante des Haschmich-Spiels zwischen schwarzfahrendem Drogen-Prekariat und dem zunehmend überforderten Sicherheitspersonal.

Ein paar Schlaumeier hatten sich mit Steckschlüsseln ausgestattet, die auf die Verbindungstüren zwischen den Abteilen passten. Ob nun aus "Spaß" oder, um sich die ungeliebten Security-Männer vom Leib zu halten - jedenfalls mit dem Ergebnis, dass Fahrgäste, die in Gladbach den Zug verlassen wollten, zuerst das Bahnpersonal mit Rufen und Klopfen alarmieren mussten. Die Reisenden waren in ihrem Abteil schlicht eingeschlossen worden.

Auf der Strecke zwischen Mönchengladbach und Dülken wiederholte sich das Spiel, das vorletzte Abteil war abermals von den Koffieshop-Touris abgeriegelt worden, diesmal allerdings "nur" einseitig, so war in Dülken immerhin das Aussteigen möglich. Bis dahin durfte man sich allerhand Gefeixe über die gelungene Blockade-Aktion anhören, garniert mit den üblichen Helden-Geschichten, wer wem zuletzt aus welchem Beweggrund "die Fresse eingeschlagen" habe.

Am Bahnhof Dülken konnte man dann beobachten, wie ein Zug-Sheriff jenseits der versperrten Tür mit einer johlenden Meute lamentierte, während sein Kollege heldenhaft über den Bahnsteig zum abgeriegelten Wagen sprintete, um diesen von außen zu entern. Wie es schien, waren die beiden im Gegensatz zu ihren Kontrahenten nicht im Besitz eines passenden Werkzeugs zur Türentriegelung.

Es sei den wackeren Bahn-Bediensteten zu wünschen, dass sie die Situation noch irgendwie in den Griff bekommen haben. Für die Berufspendler wird der tägliche Heimweg per Bahn jedenfalls immer mehr zum reinen Horror-Trip. Ob daran die beschlossene Privatisierung der Hamm-Venlo-Strecke irgendetwas ändern kann? Wahrscheinlicher ist wohl, dass die in diesem Zusammenhang angekündigten Videokameras im Zug nicht allzu lange überleben werden.

Aufgezeichnet von einem, der sich nur allzu gerne sein romantisierendes Bild vom friedlich-versonnenen Love&Peace-Kiffer bewahrt hätte und nicht wirklich versteht, wie die Dinge so aus dem Ruder laufen konnten.

4 Kommentare:

Tim hat gesagt…

autobiographische Einflüsse im letzten Absatz? :)

Tien Anton hat gesagt…

Das geht dich gar nix an! ;)

Tim hat gesagt…

wie schon gesagt, manchmal bin ich traurig, nicht in dieser Zeit gelebt zu haben...

Anonym hat gesagt…

Das ist kein BTM-Problem sondern die Folge galoppierender Desozialisierung u.a durch "Hartz4 im offenen Vollzug".