21.3.08

Hurra, das Löh-Center ist da!

Die "gelungene" Mischung belangloser Ladengeschäfte, überwiegend erkauft mit der Schließung des jeweiligen bisherigen Innenstadt-Standortes kann man seit gestern im frisch eröffneten Löh-Center in Viersen bewundern. Das Projekt reiht sich nahtlos ein in die gute alte Viersener Tradition der Verschlimmbesserung der Innenstadt. Was in den 1970ern mit dem Abriss des historischen Kaiser's-Geländes begann und in den folgenden Jahrzehnten mit der an Hässlichkeit und architektonischer Ideenlosigkeit kaum zu überbietenden "Rathausmarkt"-Bebauung fortgesetzt wurde, kulminiert hier zum nächsten stadtplanerischen Highlight. Hauptsache schön unpersönlich, pseudo-modern und den üblichen Verdächtigen in der lokalen Bauwirtschaft zu Umsatz verhelfend...

Protestaktion in den Siebzigern

6 Kommentare:

nick hat gesagt…

Ich finde auch, dass dieser Bau nicht hätte sein müssen und ganz klar auf die Kosten der restlichen Innenstadt geht - allerdings hatte ich bei der gestrigen Berichterstattung nicht die Absicht, dies noch einmal breitzutreten und auf die negativen Aspekte des Themas einzugehen.

Das Löhcenter ist nun einmal da und man kann es leider nicht mehr ändern, sondern muss mit dem leben, was dort jetzt auf dem TH-Platz steht.

Wenn man sich die negativen Hintergrundaspekte jedoch nicht ständig vor Augen führt, sondern nur das betrachtet, was man dort sieht, kann man ruhig auch mal positive Töne anschlagen.
Nicht, dass die eingezogenen Läden DER Kracher sind und man nun ständig im Löhcenter abhängen muss, weil es dort so schön ist, aber der Gesamtbau mit seinem erneuerten Umfeld macht unbestreitbar einen viel besseren Eindruck als der alte Vorplatz mit dem Rupprecht-Kaufhaus.

Deshalb geht der verlinkte Bericht auf meiner Homepage auch klar auf diese Aspekte ein und beschreibt, was zu sehen ist und welche Stimmung unter den anwesenden Viersenern herrschte.
Diese war nämlich durchweg positiv, jedenfalls habe ich niemanden mit einem Anti-Löhcenter-Plakat in der Hand gesehen, sondern nur volle Einkaufstaschen.
Der Viersener regte sich zwar gerne über das Löhcenter auf, aber jetzt, wenn es steht, wird es doch angenommen und das nicht zu knapp.

Dass die Politik dort mal wieder klar am Bürger vorbeigemauschelt hat und wirtschaftliche Interesen im Vordergrund standen, ist unbestreitbar - aber leider nicht mehr zu ändern.

Dieter hat gesagt…

Hey Nick,

jetzt hab ich dich mit der Form der Veröffentlichung etwas auf dem falschen Fuß erwischt, dazu kommt das Problem mit meinem Mail-Account. Hatte dich per Mail vorgewarnt, aber heute sind verschiedene Mails, die ich vom tienanton-account rausgeschickt habe offensichtlich im digitalen Nirvana verschwunden...

Zur Sache:
Klar kann man versuchen, dem ganzen etwas positives abzugewinnen, nach dem Motto: immer nur rumjammern ist auch nicht besonders konstruktiv...
Andererseits ist dieses immergleiche Szenario, dass hier wirklich seit Jahrzehnten unverändert abgeht, einfach nur zum brechen: egal wo ein städteplanerischer Bedarf bestand oder nach fragwürdigen Kriterien festgestellt wurde - mit jeder einzelnen baulichen Maßnahme der letzten dreißig Jahre ist Viersen immer nur hässlicher und austauschbarer geworden.
(Ausnahme vielleicht die letzte Beleuchtungs-Erneuerung in der Fußgängerzone, die war zwar auch sehr umstritten, weil teuer, aber sieht wenigstens gut aus...)
Und die Taschen voll machen sich immer die Gleichen...

Fabian hat gesagt…

deshalb liebe und hasse ich Viersen. Gut gemeint aber schlecht gemacht. Ich verstehe nur Kaisers nicht. Die Kaufkraft von Viersen und steht in keinem Verhältnis zu der Anzahl großer Kaisers Märkte. So patriotisch können die Bürger Viersens doch gar nicht sein, dass es sich rentiert drei riesige Läden zu betreiben plus nochmal 5-6 kleinere.

ralfi hat gesagt…

ich war heute im neuen viersener fuckingeinkaufszentrum, wat für ein scheiss, so ein riesenstalp für n paar geschäfte und sauklein ist es auch

Belfeldt hat gesagt…

Ich verfüge über ein Gedächtnis wie ein Elefant. Oftmals eher Fluch als Segen. Aber als ich Anfang Dezember 1969 mit meiner Mutter vor dem Kaufhaus Horten auf den Bus warte (ja, damals fuhr man noch mit dem Bus und der Platz hieß meines Wissens noch Löhplatz), verriet sie mir das Geheimnis dieses Gebäudes. Es gab in der oberen Etage eine Leiter, über welche man, einmal erklommen, Audienz beim Christkind erlangen konnte. Damals, kurz vor meinem vierten Geburtstag, sah ich just in diesem Augenblick (ja ich sah sie), wie sich diese Leiter gen Himmel stemmte und irgendwo in den Wolken verschwannt.
Für mich handelt es sich also nicht einfach nur um einen Fall missglückter städtebaulicher Architektur, sondern vielmehr um eine Art Penetration in mein ganz persönliches magisches Territorium.
Für den Nachwuchs, der das jetzt eventuell nicht nachvollziehen kann: Dies ist so ähnlich wie in der Amargeddon-Szene der South-Park Episode Imaginationland III. Hier noch mal der Link: http://www.southparkstudios.com/episodes/127561

Und wieso muss man jetzt unbedingt damit leben? Man kann's auch genauso gut immer noch abreißen und die Rechnung jenen ausstellen, die es auch dieses mal wieder geschafft haben, die Karre an die Wand zu fahren. Aber ich weiß. So funktioniert unsere Gesellschaft nun einmal nicht. Da kann jeder, der sich zuvor in die entsprechende politische Machtposition manövrierte, tun und lassen was er will. Ungeachtet der Konsequenzen. Und dies ist in anderen Gemeinden oder gar auf bundespolitischer Ebene, nicht anderes als in unserer Heimatstadt. Das ist der traurige Fakt.

Gefallen hätte mir, wenn vor Plannungsbeginn einfach mal in geschichtlichen Heimatbüchern recherchiert worden wäre. Dann hätten wir heute vielleicht einen kleinen Park mit einem hübschen Weiher auf dem Enten und Schwäne ihre Runden drehen. Das hätte dann nicht einmal ein Zehntel der Baukosten verschlungen und würde in meinen Augen noch Sinn und Zweck erfüllen. Stattdessen zieht man, trotz stagnierender Einwohnerzahlen, das Stadtbild unnötig auseinander. Es wurde schon gesagt: Wer braucht noch einen weiteren Kaiser's-Markt? Und ich sehe es kommen. In zehn Jahren steht auch dieses Gebäude leer.

Bleibt eigentlich nur noch die Frage: Wer hat da wohl wieder seine Hand aufgehalten?

Anonym hat gesagt…

Wunderschön...mit sehr viel Ironie...sicherlich kann man sagen "gut jetzt in Kurzer Zeit alles Kaufen zu können ohne vom Remigiusplatz bis zum Gereonsplatz zu rennen"...aber mal ehrlich, abgesehen von der Baukunst ballert die Realität der Geschäfte einem die Augen blau...Deichmann, ok, sowas gehört in ein Center, nen Handyladen sicherlich auch noch, aber nun mal ernsthaft. NKD,KODI und DM? Die Sudstadt wird systematisch ausgerottet und alles tummelt sich auf einem Haufen...und wer es genau gesehen hat...den letztn Raum wollte schon keiner mehr haben, also schnell nen teppich rein, nen paar Stühle und nen Fernseher und schon hat man eine bestaunliche bilanz in der Abteilung "etwas für die Kinder getan!"

Am ersten Tag fuhr ich noch die Rolltreppe hoch in freudiger Erwartung was mich in der 2 Etage (bei der Höhe ging ich von 2 Etagen aus) erwartet...und stand auf dem Kostenpflichtigen Parkplatz und bestaunte die beiden Einbahnstraßen...klasse.