21.4.08

Gypsy-Reggae und Krefelder Behördenfrust

Ein verspäteter Wochenend-Bericht

Am vergangenen Wochenende war ich Strohwitwer, die Liebste weilte zu einem mehrtägigen Betriebsausflug in der Bundeshauptstadt, ich war bei der Planung meiner Wochenend-Aktivitäten folglich auf mich allein gestellt, was also tun?
Jutta Ditfurth konnte ich persönlich noch nie leiden, war mir immer eine Spur zu sehr auf Krawall gebürstet und selbstverliebt, jemand, der sich selber gerne Reden hört halt. War jemand bei ihrem Ulrike-Meinhof-Gedächtnisabend (ein Thema, das mich schon interessiert hätte) im Conny's und möchte uns Bericht erstatten? Nur zu!
Statt dessen wäre eigentlich ein Besuch des Cowboys On Dope Konzerts im Viersener Komplett angesagt gewesen: pflegen die Jungs doch ein amtliches unplugged-Rock'n'Roll-Brett der durchaus hörbaren Sorte, außerdem steht da noch die Einladung zum Kennenlern-Bierchen von Wirt Budda im Raume, der via elektrischer Post dem Projekt Tien Anton sein Wohlwollen ausgedrückt und bestmögliche Unterstützung zugesagt hat. Dafür an dieser Stelle ein Dank nach Viersen!
Letztendlich gelandet bin ich am Freitagabend schließlich in Krefeld. Mein alter Freund Roland hatte einen gemeinsamen Besuch im Jazzkeller angeregt, um sich dort die Electric-Balkan-Combo Turlitawa Shutka anzuschauen. Außerdem bot sich hier die Gelegenheit, Rolands frisch angetraute Lebenspartnerin Julia endlich einmal persönlich kennen zu lernen.
Die Geschichte der beiden ist definitiv einer eigenen ausführlichen Betrachtung würdig, stark verkürzt könnte man sie als Odyssee charakterisieren, auf der sich die Entfernung zwischen dem Niederrhein und Weißrussland als leichter überwindbar erwies als die labyrinthischen Wege der Krefelder Ausländerbehörde. Deren geradezu kafkaeske Beharrlichkeit beim Versuch, dem Paar eine Scheinehe nachzuweisen ist geprägt von beispielloser Absurdität und Menschenfeindlichkeit. Nach monatelangem Hickhack inklusive Scheinbefragungen durfte sie jetzt, ein halbes Jahr nach Eheschließung und fast fünf Monate nach Beantragung der Familienzusammenführung endlich einreisen, hat aber vorerst immer noch nur eine auf drei Monate befristete Aufenthaltserlaubnis. Deutsches Ausländerrecht in seiner pervertierten Form.
Das Konzert war auf jeden Fall großartig, der Abend ein sehr schöner. Die Band verband auf ebenso wundersame wie selbstverständliche Weise Zigeuner-Rhythmen mit Reggae, Funk und Soul, dass es eine wahre Freude war. Es wurde ausgelassen getanzt, meine von den Behörden so drangsalierten Freunde konnten ihre Sorgen erfolgreich ausblenden, gemeinsam feierten wir bis tief in die Nacht.
Demzufolge den Samstag in Essig gelegen, und da man jenseits der Vierzig bekanntlich eher zwei Tage benötigt, um sich von einer durchzechten Nacht zu erholen, reichte es am Sonntag so grade eben, die gemeinsame Wohnung von den Spuren zweitägiger haushälterischer Nachlässigkeit zu säubern, ehe die Liebste vom Flughafen abgeholt werden musste.
Vom so innig herbeigesehnten Frühlingseinbruch bis jetzt noch nicht allzu viel mitbekommen, weswegen der Bericht an diese Stelle abrupt endet. Bevor es morgen wieder zum Brotjob in den Bauch der Werbe-Galeere geht wollen jetzt dringend einige Runden mit dem Fahrrad über die Felder gedreht werden. Apropos Frühling: derselbe ist offenbar auch in unserer kleinen Dülken-Bilder-Galerie in der linken Seitenleiste ausgebrochen. Hierzu noch mal kurz erklärt: es tauchen dort alle aktuellen Bilder auf, die bei Flickr mit dem "tag" (=Stichwort) "Dülken" versehen werden.

3 Kommentare:

Speedy Linus hat gesagt…

Ich war beim Jutta Ditfurth-Gedächtnisabend. Leider muss ich sagen, dass ich ziemlich begeistert bin und auch so recht viel von Frau Ditfurth halte. Insofern wäre ein Bericht von mir verfasst hier vlt. nicht so ganz passend...weiss ja nicht...

Dieter (Tien Anton) hat gesagt…

Öh, das ist hier eigentlich nicht als D. Mai-Gefälligkeits-Veranstaltung geplant – insofern hätte ich kein Problem damit, von einem, der auf der Lesung war, darüber näheres zu erfahren. Insbesondere vor dem Hintergrund des seltsam schwammig-konturlosen RP-Berichts, der mir so gar nichts über die Stimmung bei der Veranstaltung vermittelt.
Weiteres dazu schreib ich Dir per Mail...

Tim hat gesagt…

Also wenn du absolut keine Gelegenheit zum Besuch des kompletts findest, ich als Viersen-Korrespondent mit momentan überdurchschnittlich viel Freizeit könnte das auch gerne übernehmen ;))