27.4.08

Toastbrot-Punk macht das Rennen

Sieger des Abends: Toastbrot inkl. Bass-Drum-Festhalter

tiro Es war ein ganz normaler Frühlingsabend in der kleinstädtischen Idylle Viersens. Die Sonne, die den 22°-Tag geschaffen hatte, tat ihr Bestes, um auch den Abend noch lange zu hinauszuzögern. In der Luft lag dieser typische Geruch von verbrannten Grillwürsten gepaart mit Spiritus. Für die Geräuschkulisse sorgten die Frühlingsvögel, die aber allzu oft von dem Krach der Autos auf der Gerberstraße übertrumpft wurden. Eben ein ganz normaler Samstag Abend in Viersen, wie er auch im letzten Jahr hätte sein können.

Dieses Bild änderte sich schlagartig beim Anblick der alterwürdigen Fassade der Rock-Kultur-Werkstatt, dem Austragungsort der Vorrunden des „Young Talents“-Wettbewerbs 2008. Nicht nur, dass dieser Ort schon seit Jahren zu den Zentren der alternativen Samstagabendgestaltung in Viersen gehört, nach den Zwischenfällen beim letzten RKW-Abend hatte der Betreiberverein die Sicherheits- und Zutrittsregeln drastisch verschärft, so dass niemand unter 16 Jahren das Gelände betreten und die Konzerte besuchen durfte. „Das ist wirklich schade, denn vor allem die Unter-Sechzehn-Jährigen haben die Vorrunden gerne besucht und mitgefiebert“, sagt Claudia (17) vom Organisationsteam.

So kam es, dass zunächst nur ca. 20 Zuschauer inklusive der Jury Eleonore anschauten, die am Ende den zweiten Platz belegte. Die wiederum überzeugten in der schwierigen Rolle als erste Band des Abends mit zwar extremen, aber gut dosiertem Metal, der nicht zuletzt von der Erfahrung der Bandmitglieder profitierte.

Swing, Punk, Ska und Rockabilly: Boiled Bobcats

Einen originellen Mix aus Swing, Punk, Ska und Rockabilly lieferten die Böiled Bobcats aus Willich, die zwar das Publikum zum Mitsingen und Pogen brachten, die Jury aber nicht nur überzeugten. Hier haperte es noch an der Professionalität der Bandmitglieder, so dass letztendlich nur ein dritter Platz heraussprang.

Im Hof ging derweil der Protest weiter. Beachtung fand hier vor allem eine Gruppe Jugendlicher, die aus Protest gegen die neuen Regeln auf einer Mauer genau gegenüber der RKW Platz genommen hatte und so mit Tetrapacks Grünem Tee stillen Protest leistete. Sie blieben so lange wie die Frühlingshafte Sonne es erlaubte. „Ich finde es klasse, dass diese Jugendlichen zeigen, dass sie gerne dabei wären, es aber nicht sein können. Ich bin wirklich froh, dass ich schon 16 bin“, meint Mariel, die gerade im Hof steht und eine Cola genießt.

The Phillis als vorletzte Band des Abend kam sowohl bei der Jury als auch beim Publikum nur auf den vierten Platz. Sie erhielten in allen Bewertungsbereichen nur eine mittlere Punktzahl. Knapp vor Eleonore aber letztlich überzeugend siegten Toastbrot aus Hinsbeck, die als letztes auf die Bühne mussten. Die vom Alter der Mitglieder her jüngste Band des Abends konnte mit ihrer Version von lupenreinem Retro-Punk bei Jury und Publikum punkten. Ihre Musik kam insgesamt „reifer“ rüber, wie Lisa aus Viersen bestätigte.


Diesmal nicht ganz so zahlreich: Publikum in der RKW

Im Foyer der alten Villa steht die Anja Lukaseder der alternativen Samstagabendgestaltung und Hauptorganisatorin des Abends, Birgit Zerres. Auch sie findet es schade, dass offensichtlich unter den neuen Regeln in der RKW auch die Stimmung an dem Abend leidet. „Aber es ging nicht anders, die Verantwortlichen mussten dem einen Riegel vorschieben. Es kann nicht sein, dass sich Jugendliche so aus dem Leben schießen.“ Hier kommt für sie auch der erzieherische Aspekt einer ausgewogenen Jugendarbeit zum Tragen. „Wenn mit den neuen Regeln alles gut geht bin ich auch voller Hoffnung, vielleicht beim Finale im Josefshaus andere Regeln anzuwenden und auch die Unter-Sechzehn-Jährigen zu integrieren.“

2 Kommentare:

Pupematz hat gesagt…

20 Leute..????
is aber n bissle arm....!!!
kann ja wohl nicht sein, das sooo wenig interesse besteht !!!!! daher finde ich es immer wieder interessant ,wenn im EMS gästebuch einträge gibt die lauten ; warum habt ihr denn keine lokalen bands mit dabei ??
na ja, anhand solcher zuschauer reaktionen weiss man nun warum und weswegen keine lokalen bands beim EMS auftreten....armes armes musikinteressiertes viersen

Dieter (Tien Anton) hat gesagt…

Jo, viel mehr waren es wohl nicht...nachher wurden es ein paar mehr

zu schönes Wetter? Fakt ist, dass am Samstag die Bands + ihr jeweiliger Anhang ca. 90% des Publikums ausmachten - echt schade, wird aber bestimmt besser, wenn die ein oder andere Viersener Band da auftaucht, die über 'ne größere Fan Base verfügt, z.B. Beat!Beat!Beat!
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