22.7.08

Rauchfrei - wo denn?


Illustration: Dieter Mai

dmai Nicht dass mich jemand falsch versteht: grundsätzlich bin ich ein erklärter Gegner staatlicher Bevormundung des Ausmaßes wie es in den neuen Nichtraucher-Gesetzen zu Tage tritt. Ob jemand eine Raucher- oder Nichtraucherkneipe betreibt oder betritt sollte nach meinem Empfinden jedem Wirt und Kneipengänger selbst überlassen bleiben.

Trotzdem war ich zuletzt doch ganz gespannt, zu erleben, wie es sich denn wohl so anlässt als immer noch relativ frisch gebackener Nichtraucher (5 Monate "clean") im, dem Wunsche des Gesetzgebers gemäß, nunmehr fast gänzlich rauchfreien öffentlich-gastronomischen Raum. Jedoch – völlig unerwartet blieb mir diese neue Erfahrung bisher versagt, trotz zwei
maligen Anlaufs. Das erste Lokal, ein Bistro in Viersen, wo ich zu einem informellen Gespräch verabredet war, erwies sich als einer der so plötzlich allenthalben entstandenen "Raucherclubs". Überraschender Weise fragte mich dort aber niemand nach meinem Mitgliedsausweis, und auch kein Beitrittsformular wurde hervorgeholt. Alles war dort exakt wie vor dem Rauchverbot: eine gemütliche Kneipe mit Aschenbechern auf den Tischen.

Der zweite Feldversuch führte mich mit meiner Partnerin in ein beliebtes gutbürgerliches Speiselokal mit Bierausschank in Dülken, um ein plötzlich aufgetauchtes Bedürfnis nach deftiger Hausmannskost zu stillen. Dort warben am Eingang in friedlicher Eintracht zwei Piktogramme sowohl für Rauchverbot als auch -erlaubnis
. Dazu das salomonische Versprechen: "Bei uns haben Sie die Wahl!". Was leider schamlos gelogen war, wie sich kurz darauf herausstellte. Im Schankraum, in den man als erstes gelangte, war die Luft so rauchgeschwängert, dass diese annähernd die optische Konsistenz von mit Leitungswasser gestrecktem Anisschnapps besaß, das olfaktorische Erlebnis war dementsprechend. Im vermeintlich als Nichtraucherbereich dienenden geräumigen Hinterzimmer tagte unterdessen eine zwar offensichtlich rauchfreie aber leider auch geschlossene Gesellschaft. Wir haben dann letztendlich beim Pommes-Griechen "zum Mitnehmen" geordert.

Zu guter Letzt versagt auch die einstmals als Vorreiterin in Sachen Rauchverbot angetretene Deutsche Bahn kläglich. Die anlässlich ihrer Einführung noch von der Titanic mit Juden
sternen assoziierten restlos albernen und lächerlichen gelb markierten Bahnsteig-Mini-Raucher-Gettos nimmt mittlerweile neben den notorischen Drogenbeschaffungstouristen auch sonst kein Mensch mehr ernst, geperzt wird Bahnsteigweit wie ehedem. Im "Junkie-Express" selbst mag sich, was ihm auch niemand wirklich übel nehmen kann, das zugbegleitende Personal lieber nicht auf Diskussionen mit den jungmännlichen Stammgästen einlassen. Und so feiert hier das eigentlich längst abgeschaffte Raucherabteil eine fröhliche Renaissance, bisweilen sogar in der Geschmacksrichtung "Exotische Kräutermischung".

Natürlich ziehe ich aus alledem großen Nutzen, was das Training meiner Standhaftigkeit angeht - ein kleines bisschen rauchfrei wäre aber auch mal ganz schön, irgendwann, vielleicht...


1 Kommentare:

Rainer hat gesagt…

Zumindest die Pommesbude meines Vertrauens (in Viersen) wurde bereits 2x vom Ordnungsamt heimgesucht. Endlich wieder Arbeit, möchte man da ausrufen.

Ordnung schaffen und aufpassen, das können wir noch immer am besten.