Viersen Underground
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dmai Irgendwo in einem Industriegebiet am Rande der Viersener Innenstadt. Freitagabend, kurz vor Mitternacht. Eine flach abfallende Rampe führt zur Kellertür eines alten Fabrikkomplexes. Gedämpfte Musik-Fragmente klingen durch Milchglasscheiben, hinter denen die Silhouetten junger Nachtschwärmer zu sehen sind. Am Eingang nehmen dezent postierte Security-Männer die nächtlichen Besucher in Augenschein. Alles ist professionell organisiert.
Der Club-Betreiber -nennen wir ihn einfach mal: Jürgen- wirkt zufrieden: "Allzu viel müsste man hier gar nicht mehr ändern, um aus dem Ort eine reguläre Location mit gültiger Konzession zu machen." Er weist auf stählerne Klappen in den Wänden eines Seitengangs. "Das sind die alten Lüftungsschächte, da bräuchte man nur noch Ventilatoren einzubauen. Die Toiletten sind auch neu."

Die Bässe wummern, computergesteuerte Lichtwerfer projizieren farbige Kaleidoskope und psychedelische Animationen auf die weißen Betonwände der schlauchförmig angeordneten Kellerräumlichkeiten. Auffällig gut aussehende und fröhlich gestimmte junge Menschen in großer Zahl haben schon kurz nach Öffnung der Türen die geheimen Katakomben in Beschlag genommen. Das Bedürfnis nach elektronischer Tanzmusik abseits des Chart-Mainstreams scheint riesig zu sein.
Und die Mund zu Mund Propaganda funktioniert, teilweise sogar besser als von Jürgen beabsichtigt: "Als wir in den Wochenend-Tipps einer lokalen Zeitung eine unserer Partys erwähnt sahen, wurde uns schon etwas mulmig, spätestens da stand der Entschluss fest, das Ganze jetzt mal langsam zu beenden." Einmal im Monat konnte man seit nunmehr einem Jahr im Keller-Club zu House- und Technobeats abtanzen.

Heute, am letzten Abend, zieht Jürgen Bilanz: "Nach etwas zähem Anfang hatte sich die Adresse bald herumgesprochen, und mittlerweile haben wir einen richtig guten Namen in der Szene. Das hat dazu geführt, dass wir schon namhafte DJ-Größen hier am Start hatten." So eine am Rande der Legalität betriebene Location genießt halt per se schon mal einen gewissen Nimbus innerhalb der verschworenen deutschen und europäischen Club-Szene.
Möglicherweise geht es nach Jürgens Absprung sogar doch noch weiter im mittlerweile so beliebten Viersener Keller-Club. Es sollen sich jedenfalls schon Interessenten gemeldet haben, die sich vorstellen können, die für die Erteilung einer regulären Diskotheken-Konzession notwendigen Investitionen aufzubringen. Für Viersens Nachtleben wäre das allemal ein Gewinn.
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