20.9.08

Viersener Fluchtreflexe, multipler Mädchen-Jazz und feiner Hardbop

Kurzbericht vom ersten Tag beim Viersener Jazz Festival

dmai Spät eingelaufen und so Fay Claassen und Rashied Ali leider nicht sehen können. Letzterer muss, laut einem Gewährsmann, beim Auftakt auf der Hauptbühne derart "free" agiert haben, dass es einige Besucher förmlich von den Sitzen gerissen hat, nicht etwa vor Begeisterung sondern um die Flucht zu ergreifen. Einige sollen sogar schnurstracks zur Garderobe gelaufen und wehenden Umhangs den Rückzug vom Festivalgelände angetreten haben. So etwas gibt es, glaube ich, nur noch in Viersen. Nur hier hat offensichtlich der Typ Jazzfestival-Besucher überlebt, der in der Erwartung bierseeliger Dixieland-Klänge eine solche Veranstaltung besucht. Wenn's nicht so traurig wäre, könnte man glatt drüber lachen

Gähn: gefälliger Mädchen-Jazz von Rigmor Gustafsson

"Sehr melodisch" soll es dagegen bei der Performance der niederländischen Chanteuse Fay Classen zugegangen sein. Lassen wir mal so stehen, trifft in jedem Fall auch auf die Darbietung des zweiten "Main Acts" auf der Festhallen-Bühne zu. Dort intonierte die schwedische Sängering Rigmor Gustafsson gefälligen Lounge Jazz der eher wenig aufregenden Sorte.

Gut: geheimnisvoller Mädchen-Jazz mit Cyminology

Ganz anders dagegen die nächste weiblich dominierte Performance, nämlich der Auftritt der Band Cyminology auf Bühne 2. Hier mischten Sängerin und Komponistin Cymin Samawatie und ihre grandiosen musikalischen Begleiter einen äußerst spannenden und kurzweiligen Cocktail aus klassischer persischer Lyrik, aufregendem Ensemble-Spiel und hypnotisch-modernem Jazzgesang. Stark.

Versönliches Finale dann auch auf Bühne 1: The Cookers machten definitiv keine Gefangenen. Mit schnörkellos vorgetragenem Hard Bop und dem vorwärtstreibenden Groove gleich mehrerer Dekaden Jazz-Geschichte legte die All Star Formation einen fulminanten Auftritt hin. Großer Jubel, immer wieder Szenenapplaus, Anfeuerungsrufe und-Pfiffe aus dem leider nur zu knapp zwei Dritteln gefüllten Parkett.

Ganz großes Kino: Das Hard Bop All Star Ensemble The Cookers