Lieber Ali,
den persönlichen Ton nehme ich mir jetzt einfach mal raus, denn Deine Art ist es immer schon gewesen, das Gegenüber im Gespräch niederrheinisch-jovial einzubeziehen, in Deine, Alis Welt - das "Du" selbstverständlich erwidernd, das zu gebrauchen mir stets angemessen schien, gegenüber einem, der seit Teenager-Zeiten zu den verlässlichen Konstanten meiner musikalischen Erlebniswelt zählt. Als wir sechzehn waren, Anno 1979, da galt es als ungemein "cool", Freitags abends in den Viersener Jazzkeller zu gehen und wir fühlten uns in unserer jugendlichen Unbesiegbarkeit als die Größten zwischen all den Experten und teils aufregend fremdländischen Musikern.
In einem unserer Biertisch-Plaudereien hast Du, Ali, vor kurzem noch beklagt, dass es dem Jazz hierzulande aktuell an jungem Publikum mangelt. Als Gegenbeispiel erwähntest Du Tschechien, wo es Dich nicht wenig erfreut hatte, vor einem großteils jugendlichen, begeisterten Auditorium zu spielen. Da funkelten Alis Äuglein, die oft so listig über dem Brillenrand hervor blitzen, noch eine Spur mehr, als ohnehin, wenn er von seinem Lieblingsthema spicht, dem Jazz, der wie Du immer so schön plastisch formulierst, "dritten Sprache".
Um Sprache, genauer gesagt ums miteinander reden geht es mir auch in diesem Geburtstagsgruß. Betrachtet man die Jazz-Landschaft in Deiner Viersener Heimat scheint es, als würden viele dort, die vorgeblich die Leidenschaft für Jazzmusik teilen, überhaupt nicht miteinander reden, sich im Gegenteil eher aus dem Wege gehen. Ein absurdes Verhalten, das dem Bemühen um den Erhalt und die Pflege von so etwas wie "Jazzkultur" in Viersen diametral entgegen steht. Wie kommt es, frage ich Dich, dass beispielsweise das Engagement der "Conny's"-Macher in Boisheim von dem um Deine Person sich scharenden Viersener "Jazz-Circle" so gut wie gänzlich ignoriert wird?
Auch dich selber sah man dort in den vergangenen Jahren eigentlich nur anlässlich Deiner eigenen Auftritte, ansonsten keine Spur vom „Jazz-Circle“ in Boisheim. Woran liegt's? Fasst Ihr das Conny's als „Konkurrenz“ auf? Hat es gar mit politischer Farbenlehre zu tun? Jedenfall ist derart vereinsmeierlich inzestuöses Beharren auf der Jazz-Hoheit im Stadtgebiet gewiss nicht dazu angetan, bei der Jugend (neue) Begeisterung zu wecken. Fakt ist, dass im Ortsteil Boisheim zwei Menschen mit Leidenschaft die Sache des Jazz vertreten und dabei ganz besonders auch den Nachwuchs fördern, vielfach wird dort jungen Jazz-Musikern mit ihren Bands ein Podium gegeben. „Impressario“ Markus Türk, ein, wie ich weiß, von Dir durchaus geschätzter Musiker-Kollege, der die Bands aussucht, hat dabei schon so manches Juwel zutage befördert.
Und natürlich Betreiber Peter Breidenbach selbst, der, aus purer Leidenschaft für die Sache und ohne sich damit dicke zu tun, seit Jahren schon einen Teil seines privaten Geldes in diese Art der Nachwuchsförderung buttert. Eine Praxis, die er, als Geschäftsmann, der er ist, wohl auch nicht endlos weiter üben wird. Um so mehr ein Grund, die Kräfte zu bündeln und das gemeinsame Interesse an der „dritten Sprache“ in den Vordergrund zu stellen. Die Achse Weberhaus – Conny's könnte doch auf Dauer ein stabiles Rückgrat sein für „Jazz in Viersen“, meinst Du nicht auch?
Soviel Kritik muss sein und wird von Dir gewiss ertragen, wo Du doch jetzt -genau gesagt ab morgen- per definitionem ein Altersweisheits-Dauerlos gewonnen hast. Anonsten: vielen Dank, lieber Ali, für -zig Jahre gelebter Jazz-Musik, für das große Geschenk, auch als „einfacher“ Viersener Fan hier in der Niers-"Metropole" (gemessen an den Dörfern rings herum, Krefeld und MG mal ganz außen vor gelassen) schon so lange und teils hautnah am globalen Musik-Geschehen teilhaben zu dürfen. Alles Gute für die nächsten Jahre, bewahr Dir deinen Dickschädel und beschere uns noch viele spannende Projekte im Dienste der Musik!
Herzlichst,

Dieter Mai a.k.a. Tien Anton
den persönlichen Ton nehme ich mir jetzt einfach mal raus, denn Deine Art ist es immer schon gewesen, das Gegenüber im Gespräch niederrheinisch-jovial einzubeziehen, in Deine, Alis Welt - das "Du" selbstverständlich erwidernd, das zu gebrauchen mir stets angemessen schien, gegenüber einem, der seit Teenager-Zeiten zu den verlässlichen Konstanten meiner musikalischen Erlebniswelt zählt. Als wir sechzehn waren, Anno 1979, da galt es als ungemein "cool", Freitags abends in den Viersener Jazzkeller zu gehen und wir fühlten uns in unserer jugendlichen Unbesiegbarkeit als die Größten zwischen all den Experten und teils aufregend fremdländischen Musikern.
In einem unserer Biertisch-Plaudereien hast Du, Ali, vor kurzem noch beklagt, dass es dem Jazz hierzulande aktuell an jungem Publikum mangelt. Als Gegenbeispiel erwähntest Du Tschechien, wo es Dich nicht wenig erfreut hatte, vor einem großteils jugendlichen, begeisterten Auditorium zu spielen. Da funkelten Alis Äuglein, die oft so listig über dem Brillenrand hervor blitzen, noch eine Spur mehr, als ohnehin, wenn er von seinem Lieblingsthema spicht, dem Jazz, der wie Du immer so schön plastisch formulierst, "dritten Sprache".
Um Sprache, genauer gesagt ums miteinander reden geht es mir auch in diesem Geburtstagsgruß. Betrachtet man die Jazz-Landschaft in Deiner Viersener Heimat scheint es, als würden viele dort, die vorgeblich die Leidenschaft für Jazzmusik teilen, überhaupt nicht miteinander reden, sich im Gegenteil eher aus dem Wege gehen. Ein absurdes Verhalten, das dem Bemühen um den Erhalt und die Pflege von so etwas wie "Jazzkultur" in Viersen diametral entgegen steht. Wie kommt es, frage ich Dich, dass beispielsweise das Engagement der "Conny's"-Macher in Boisheim von dem um Deine Person sich scharenden Viersener "Jazz-Circle" so gut wie gänzlich ignoriert wird?
Auch dich selber sah man dort in den vergangenen Jahren eigentlich nur anlässlich Deiner eigenen Auftritte, ansonsten keine Spur vom „Jazz-Circle“ in Boisheim. Woran liegt's? Fasst Ihr das Conny's als „Konkurrenz“ auf? Hat es gar mit politischer Farbenlehre zu tun? Jedenfall ist derart vereinsmeierlich inzestuöses Beharren auf der Jazz-Hoheit im Stadtgebiet gewiss nicht dazu angetan, bei der Jugend (neue) Begeisterung zu wecken. Fakt ist, dass im Ortsteil Boisheim zwei Menschen mit Leidenschaft die Sache des Jazz vertreten und dabei ganz besonders auch den Nachwuchs fördern, vielfach wird dort jungen Jazz-Musikern mit ihren Bands ein Podium gegeben. „Impressario“ Markus Türk, ein, wie ich weiß, von Dir durchaus geschätzter Musiker-Kollege, der die Bands aussucht, hat dabei schon so manches Juwel zutage befördert.
Und natürlich Betreiber Peter Breidenbach selbst, der, aus purer Leidenschaft für die Sache und ohne sich damit dicke zu tun, seit Jahren schon einen Teil seines privaten Geldes in diese Art der Nachwuchsförderung buttert. Eine Praxis, die er, als Geschäftsmann, der er ist, wohl auch nicht endlos weiter üben wird. Um so mehr ein Grund, die Kräfte zu bündeln und das gemeinsame Interesse an der „dritten Sprache“ in den Vordergrund zu stellen. Die Achse Weberhaus – Conny's könnte doch auf Dauer ein stabiles Rückgrat sein für „Jazz in Viersen“, meinst Du nicht auch?
Soviel Kritik muss sein und wird von Dir gewiss ertragen, wo Du doch jetzt -genau gesagt ab morgen- per definitionem ein Altersweisheits-Dauerlos gewonnen hast. Anonsten: vielen Dank, lieber Ali, für -zig Jahre gelebter Jazz-Musik, für das große Geschenk, auch als „einfacher“ Viersener Fan hier in der Niers-"Metropole" (gemessen an den Dörfern rings herum, Krefeld und MG mal ganz außen vor gelassen) schon so lange und teils hautnah am globalen Musik-Geschehen teilhaben zu dürfen. Alles Gute für die nächsten Jahre, bewahr Dir deinen Dickschädel und beschere uns noch viele spannende Projekte im Dienste der Musik!
Herzlichst,

Dieter Mai a.k.a. Tien Anton
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