
Viersen bekommt 'ne Disco, wie Leser Daniel schon vor einiger Zeit i
m Forum berichtete – „Endlich, das wurde aber auch Zeit!“ ist man geneigt zu sagen und RP-Online startet eine seiner notorischen "Ohr am Puls des Bürgers"-
Online-Umfragen, die auch prompt eine hohe Zustimmung zur Neugründung ermittelt. Sogar die Titelgeschichte im heutigen
Grenzland-Kurier widmet sich dem Disco-Thema, wie die flüchtige Sondierung der Zeitung des Nachbarn heute morgen im Treppenhaus zeigte.
Auch wenn wir nicht in den Chor derjenigen einstimmen wollen, die
komplett-Wirt und DJ Budda in seinem Grußwort im Disco-Gästebuch mit
"Noch nix passiert, aber schon wird erst mal wieder alles runtergemacht..." so treffend charakterisiert, gibt es doch einige Punkte im aktuellen Auftritt des
Joy55, die uns zumindest nicht in lautstarken Jubel ausbrechen lassen. Skeptisch stimmt uns die im ersten Flyer signalisierte doch recht offensive Ausrichtung auf die Taschengeld-Börsen der Generation Klingelton. Die mäßig originellen Konzepte „Ü-16“ und „Ü-25“ (neiiin, nicht schon wieder Ü-irgendwas!) bestärken jedenfalls nicht zwingend unsere Hoffnung auf so etwas wie gepflegte Club-Kultur in Viersen.

Nicht besonders glücklich in unseren Augen auch die Idee, zur "Hot Girl Night" mit Minirock oder Hotpants bekleideten Mädels den Eintritt zu erlassen und Freiverzehr im Wert von 10 Euro zu gewähren. Niemand erwartet in einer Disco einen Hort der Emanzipation, die avisierten Gogo-Girls verbuchen wir auch gerne positiv unter „ huiuiui ganz schön gewagt für das piefige Viersen...!“, aber den weiblichen Besuchern für das zur Schaustellen ihrer körperlichen Vorzüge einen finanziellen Anreiz zu bieten offenbart doch ein, milde ausgedrückt, gewöhnungsbedürftiges Frauenbild.
Immerhin erscheint das Betreiber-Ehepaar im RP-Artikel mit Bild und Namen, eine Offenheit, die leider weder auf der
Homepage noch in der ansonsten durchaus freundlichen und offenen Antwort auf unsere E-Mail-Kontaktaufnahme zu Tage tritt. Dort geht das „Team Joy55“ auch auf unsere Frage ein, warum man nicht die Gelegenheit genutzt habe, von Anfang an konsequent als Nichtraucher-Location durchzustarten: dies sei zur Zeit "noch nicht durchzusetzen".
Bei aller Kritik wünscht Tien Anton den Machern auf jeden Fall viel Erfolg mit ihrem Projekt und vor allem, dass es gelingt, dem
Joy55 eine eigene Handschrift und eine persönliche Note zu verpassen. Noch eine seelenlose Location, die spürbar
nur auf Kommerz ausgerichtet ist, wie beispielsweise das Dülkener
Emporium, braucht auch in Viersen kein Mensch.