16.2.09

Der Countdown läuft...

Langsam wird es ernst: nur noch drei mal schlafen, dann läutet der Altweiber-Donnerstag den finalen Höhepunkt der "tollen Tage" ein. Während den einen beim Gedanken an knöchelhohe Glasscherbenteppiche und bierklebrigen Zuckerguss auf den Bürgersteigen der blanke Horror packt, heißt es für andere: nichts wie rein ins Vergnügen, sich, besinnungslos und volkstümlich wie sonst das ganze Jahr über nicht, ins kollektive Massenbesäufnis fallen lassen wie in einen schönen Kindheitstraum.

Der blanke Anachronismus in dem Zusammenhang sind die scheinheiligen Anstrengungen der sich an Beflissenheit übertrumpfenden Lokalpolitiker, ausgerechnet zu Karneval das Problem des (Jugend-) Alkoholismus bekämpfen zu wollen. Angeführt von der grünen Spaßbremse Martina Maaßen stößt nun selbst unser sonst eigentlich nicht gänzlich humorlose Bürgermeister ins Horn der politisch korrekten neuen Enthaltsamkeit und ordnet einen Bierausschank-freien Rathaussturm an.

"Man kann auch ohne Alkohol beim Karneval Spaß haben!" so das Credo der wenig glaubwürdigen Teilzeit-Asketen, von denen jeder einzelne bei anderen Gelegenheiten den Zapfhahn umschwirrt wie die sprichwörtliche Motte ein Teelicht. Klar, Sex macht ohne Anfassen auch am allermeisten Spaß, genau wie Backen ohne Mehl oder Döner ohne Scharf. Herr, lass es Hirn vom Himmel regnen!

Kurzum, wir hier bei Tien Anton sind der Meinung: wenn schon, denn schon! Davon abgesehen wollen wir in den verbleibenden Tagen vor dem drohenden Karnevals-Wochenende auch Alternativen aufzeigen für diejenigen, bei denen das närrische Brauchtum ausschließlich Fluchtreflexe auslöst. Den Anfang macht diese Veranstaltung am Samstag im Kunst- und Kulturhaus Bachstraße: Wo ist Norbert?

10 Kommentare:

derboe hat gesagt…

Ungeachtet des meiner Ansicht nach hier etwas missglückten und unpassenden Versuchs einer Tien-Anton-Glosse auf die zeitlich-örtliche Besäufnisbegrenzung unserer Stadtoberen kann ich dem Grundgedanken eines solchen Gebotes nur zustimmen. Weiß aber nichtsdestotrotz um die schwierige Umsetzung. Aber wir würden nicht im Land der Weltmeister der Nachbesserungen und Vorgabenumgehungs- und Lückenfindekünstler leben, wenn nicht wieder findig-windigen Kneipiers und Trinkhallenbesitzern etliche Kniffe einfallen würden, die erlassenen Verordnungen zum eigenen pekuniären Vorteil und damit zum Nachteil der nach Sprit gierenden Jugend kontraproduktiv zu umgehen. Man darf gespannt sein.

Ich finde, es ist zumindest ein ausprobierenswerter Anfang. Das Leben ist zu kurz und zu schnell in die falsche Bahn gelenkt, um einen solchen nicht zu versuchen. Und die Jugend ist zu wichtig für uns alle, als dass wir nicht alles unternehmen sollten, Schlimmeres als bisher zu vermeiden. Das mag für Manchen übertrieben klingen, stellt sich aber für Eltern, die sich mit dem zukünftig narbenverzierten Gesicht ihrer karnevalistisch buntgeschminkten Teenietochter konfrontiert sehen, aus dem der diensthabende Ambulanzarzt gerade die letzten Bierglasscherben pflückt, sicherlich etwas anders dar.

Machen wir uns nichts vor: Solange die erwachsenen Karnevalstrinker nicht nachhaltig den Jugendlichen auch und gerade zur Zeit des bunten Treibens ein Vorbild sind und alternative sowie vernünftige Verhaltensweisen vorleben, und das nicht nur als adult-mahnender Lichtblitz, sondern über Jahre und Feste hinweg, wird sich an Alkoholexzessen und deren Auswüchsen nicht viel ändern. Da helfen auch und erst Recht keine spitzzüngigen Pseudospötteleien, mit denen sich das Saufen zumindest vor dem eigenen Gewissen legitimieren lässt.

In diesem Sinne: Wohl bekomm’s.

ralf hat gesagt…

stimmt,trotzdem sind diese spontanen wischiwaschi aktionen was fürn a......

die problematik liegt ja wohl nun mal janz woanders ,....

es ist viel wichtiger den jugendlichen eine ganzjähriges packet zu bieten...und für längere zeit

und nicht immer zu karneval den finger heben

das nervt...!!!!

Anonym hat gesagt…

ob spontanes wischiwaschi oder langfristig angelegtes mammutprojekt: für’n poppes ist nichts davon.

wenn nur einer im richtigen moment von der entscheidenden crack-inhalation oder auch nur vom xten schnappes abgehalten und wird und ihn/sie just in diesem moment die erkenntnis durchzuckt, diese gelegenheit doch lieber verstreichen zu lassen, weil es vielleicht ja doch nicht sooo cool ist, dann heiße ich vieles gut. auch, wenn es noch so oft von vermeintlich schlaueren belächelt wird.

es ist nach wie vor als prävention immer besser zu reagieren (auch wenn es nur zu 10 % effektiv ist), als zu spät zu reagieren.

derboe hat gesagt…

oh, ich bin anonym, wie spannend :-)

Dieter (Tien Anton) hat gesagt…

Lieber Udo, natürlich will ich hier keineswegs den grundsätzlichen Nutzen präventiver Maßnahmen zur Vermeidung von Alkoholsucht und alkoholbedingter Kollateralschäden in Frage stellen. Wenn solche aber als plakativ ausgelebtes Gutmenschentum von Provinzpolitikern aller Parteien ausgerechnet im Wahljahr derart demonstrativ und Publicity-trächtig initiiert werden hat das für mich zumindest einen faden Beigeschmack.

Wenn die flammenden Appelle dazu noch aus ansonsten durchaus trinkfreudigen Mündern oder aber von Menschen, die, nach meinem Kenntnisstand, die angemessene Bekümmerung des eigenen Nachwuchses zugunsten der politischen Karriere vernachlässigen (nein, keine Namen hier, mir reicht, zu wissen was ich weiß) dann driften derartige Bemühungen für mein Empfinden gänzlich ins Groteske ab.

Mit der so gerne ins Feld geführten "Vorbildfunktion" der Eltern hab ich ohnehin so meine Probleme. Früher hieß es aus Soziologenkreisen stets, der natürliche Impuls der Jugendlichen sei, mit dem eigenen Verhalten einen Gegenentwurf zur Elterngeneration zu liefern und möglichst alles genau anders herum zu machen, als diese es vorlebt. Heutzutage soll es dann plötzlich wieder das "Vorleben" adäquater Verhaltensweisen richten. Ja wie denn nun?

Außerdem sehe ich die aktuelle Diskussion um den Jugendalkoholismus zu einem guten Teil als medialen Hype, der gerne zur Generierung von Schlagzeilen genutzt wird. "Kampftrinken" gibt es mitnichten erst seit gestern, und diejenigen Jugendlichen, die von den Eltern die nötige Zuwendung, dazu ein gewisses Maß an Eigenverantwortung und Fähigkeit zur Selbstkritik vermittelt bekommen, werden den einen oder anderen erlebten Exzess als Erfahrung zu nutzen wissen, aus der die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen sind.

Bei denjenigen, deren Lebensweg durch die erlebte Nicht-Erziehung ohnehin schon fatal vorgezeichnet ist, werden auch temporäre, von außen bestimmte Ordnungsmaßnahmen keine Früchte mehr tragen, da ist das Geld wahrscheinlich in zukünftigen Knast-Neubauten besser angelegt, so zynisch das auch klingen mag.

Gruß,

Dieter

ralf hat gesagt…

morgen boe

natürlich hast du recht,es geht sich doch in erster linie erst mal darum dass diese möchtegernaktionen nerven.

leider gottes liegt es doch in der entscheidungskraft der menschen oder des betroffenen wie er mitsucht umgeht.

z.b. habe ich eine zeit lang anfang der 90 iger regelmäßig gras geraucht, eine zeit lang auch viel getrunken und hing mit leuten ab die sich ziemlich viel in die nase gepfiffen haben,ich habe alles mal probiert und bin jetzt 40 und lebe noch und habe zwei kinder.

ich arbeite nicht als manager habe aber arbeit.

es gibt aber auch die anderen die haben es nicht geschafft,....

es ist sehr schwierig einem jugendlichen zu erklären was gut und was schlecht ist,in jeglicher form. sie müssen es selber erfahren, und manchmal auch auf sehr schmerzhafte weise. Und wenn dann leider die Glasscherbe da landet wo sie nicht landen sollte dann hat er/sie leider zum falschen zeitpunkt am falschen ort gestanden oder mit den falschen leuten zusammengehangen ,aber glaube mir danach hat irgend jemand draus gelernt.leider muss aber immer etwas passieren.

aber mittlerweile ist es aber so das es sich zu einem hype entwicklet hat NUR noch gesund durch die gegend zu rennen und alles zu bemeckern was raucht oder trinkt.

in maßen sollte es sein

derboe hat gesagt…

Hach wie schön!
’Ne Tüte Popcorn direkt zum Frühstück! :-)

Jajaja, die Menge macht das Gift. Und wieder nicken wir alle fleißig, auch aus eigener Erfahrung. Manchmal hilft es aber nicht, theoretisierend Soziologen zu zitieren und zu hoffen, dass alles schon werden wird (egal wie), sondern ab und zu muss man auch mal etwas ausprobieren. Wie zum Beispiel diese aktuellen Maßnahmen. Ich wiederhole mich gerne wenn ich sage, dass es aus-pro-bie-rens-wert ist. Es ist doch total egal, aus welcher Ecke und wann ein solcher Vorschlag kommt. In meinen Augen zählt das zu erwartende Ergebnis.

Ich denke, unsere Denkweisen und Positionen sind uns jetzt schon untereinander klar, das brauchen wir hier nicht zu zerreden. Der wichtigste Konsens scheint zu sein, dass, ob Bürgervorstand oder Elternhaus, vernünftiger und maßvoller Umgang mit Alkohol und all seinen Begleiterscheinungen zumindest als Orientierungspunkt vorgelebt werden sollte. Ob sich aus welchen Selbstfindungsgründen auch immer ein junger Mensch extra konträr dazu verhält, mag sich in seinen folgenden Lebensjahren als positiv oder negativ erweisen, dazu gehören noch zig andere Faktoren. Hype hin, Hype her, die Hände in den Schoß zu legen ist immer falsch.

Was mich ankotzt, ist Untätigkeit und der unterlassene Versuch, schlechte Situationen zu verändern und stattdessen Maulaffen feilzuhalten. Und ich meine überall, in virtuellen Foren wie am Stammtisch als auch in der kleinen und großen Politik. Wer Möchtegernaktionen nur bebeckmessert, kann jederzeit selber an entsprechender Stelle mit Verbesserungsvorschlägen offene Ohren einrennen und sie mit ebensolchem Enthusiasmus umsetzen. Ob mit kleinen oder großen Schritten, ob als kleines Rädchen im Getriebe oder als Megaphon oder Motor des Ganzen. Wie war das noch: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es?

So, genug Reißnägel gestreut. Tut Euch nicht weh. :-)
Schönen Tag Euch allen,
derboe

Dieter (Tien Anton) hat gesagt…

noch ein kurzer Nachtrag zu meinem Kommentar von vorhin:

Meine reichlich fatalistische Schlussbemerkung mit den zu bauenden Knästen möchte ich dann doch etwas differenzieren.

Wenn ich rein ordnungspolitische, "von oben herab" verordnete Maßnahmen auch für überflüssigen und wirkungslosen Aktionismus halte, trifft dies nicht auf alle "von außen" initiierten Maßnahmen zu.

So hege ich allergrößten Respekt für die Arbeit von Streetworkern und das Engagement von Solzialarbeitern in Jugendeinrichtungen. Hier wird "auf Augenhöhe" auf die Jugendlichen eingegangen und so wertvolle und nützliche und keineswegs sinnlose Arbeit geleistet.

@Ralfi: Respekt für Deinen ehrlichen und diffenenzierten Beitrag, dem man anmerkt, dass du Dich bemüht hast, der Wichtigkeit des Themas gerecht zu werden!

derboe hat gesagt…

Na siehste: Auch der von Dir zitierte Thönne meint, diese Webseite ist streitbar. Ist also alles im Lack! :-))))))))

derboe hat gesagt…

Noch ein kleiner Nachtrag:
Nach Meinung meiner undercover ermittelnden Tochter hätte sich in Dülken bezüglich Karneval und Alkohol, besoffenen Jugendlichen, Notarztwagen und Minderjährigen mit Flachmanngürteln nichts geändert. Tja, so schwinden die Vorstellungen dahin. Ich bleibe dennoch bei meiner Ansicht, nichts unversucht zu lassen. Nein, nicht in puncto Alkohol, sondern an Maßnahmensuche. ;-)
Gruß, derboe