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Tien Anton
Das lokale Webmagazin aus Dülken für die Region VIE und das Grenzland
7.6.09
  Nach der Wahl ist vor der Wahl


Editorial


Das war's also mal wieder: Europa hat gewählt und kaum einen hat's interessiert. Der Wahltag ist vorbeigezogen wie die heutige Regenfront, und wenn man jetzt hinterher die unvermeidlichen Visagen im Fernseher sieht, freut man sich einfach nur über die ersten Sonnenstrahlen. All die Verlierer, die sich die Niederlage schönreden, die vorgeblichen Gewinner, die natürlich schon immer alles richtig gemacht haben, dezent ignorierend, dass sie mit ihren schlauen Konzepten in absoluten Zahlen nicht einmal 15 Prozent der Menschen überzeugen konnten. Nicht zuletzt die ach so investigativen Journalistendarsteller, die aus purem Selbstbeweihräucherungs-Reflex derart mechanisch kritisch hinterfragen, dass es irgendwann einfach nur noch nervt.

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, im Rahmen dieser von mir geschaffenen bescheidenen lokalen Informations-Plattform ein wenig zur Wahl-Motivation beizutragen, konnte mich aber in den letzten Wochen, bedingt durch private, berufliche und katzengesundheitliche Gründe hier nicht in dem Maße engagieren, wie ursprünglich geplant. Schlimmer noch: nach erfolgreicher Bewältigung der meisten Probleme und der damit einhergehenden allmählichen Entspannung an allen Fronten wollte ich mich heute nicht einmal dazu aufraffen, das zuständige Wahllokal mit meinem Erscheinen zu beglücken.

Zum nächsten Wahltermin gelobe ich hiermit Besserung, versprochen! Wenigstens kommunal- und bundespolitisch will ich von meinem vereintlichen Mitbestimmungsrecht Gebrauch machen. Also lokal auf jeden Fall, da kann man den Siegern hinterher wenigstens noch quasi persönlich auf die Füße treten oder zumindest auf die Finger schauen.

Im Bund gestaltet sich die Angelegenheit schon schwieriger: da haben wir auf der einen Seite mit dem komplett persönlichkeitsbefreiten Frank "Aufbackbrötchen" Steinmeier gewissermaßen den Jürgen Klinsmann der SPD, nur ohne Visionen. Das Merkel ist für mich sowieso unwählbar - so alt kann ich gar nicht mehr werden, dass ich irgendwann mal auf Unions-Kurs geraten könnte. Die Grünen, unter deren Mitregierung sich Hedgefonds und perverses Wetten auf sinkende Börsenkurse erst zu voller Blüte entwickelten, haben sich bekanntermaßen zur ökologisch verbrämten FDP für die noch etwas besser verdienenden entwickelt. Gysi ist mir zwar regelrecht sympathisch, Lafontaine gar ein Landsmann (jahaa: ich bin gebürtiger Saarländer!) dafür aber leider aus anderen Gründen praktisch unwählbar? Wo soll das nur hinführen? Wir werden es erleben...

Tot ziens!











Euer Dieter M. a.k.a. Tien Anton

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Kommentare:
Am Ende des Wahltages ist man als Wähler ja fast schon zufrieden, wenn die Rechtsradikalen keine Schnitte kriegen, so gesehen ist das Ergebnis ja schon prima. Ich habe dieses Jahr mal was ganz "verrücktes" gemacht: einfach mal nach Inhalten gewählt. Aus dem Politikergegquatsche im Fernsehen oder den Wahlwerbespots bin ich nicht schlau geworden, habe meine Meinungsbildung daher dem Wahl-o-Mat überlassen (http://www.wahl-o-mat.de) Hat sich gottseidank mit meiner momentanen gefühlten politischen Ausrichtung überschnitten. Bis zum Herbst denne, viele Grüße Watnu?
 
Haha, wie jetzt - inhaltlich? Da muss man aber auch erst mal drauf kommen ;-)

Ansonsten deckt sich Deine Wahrnehmung weitgehend mit meiner: Es wurde im Vorfeld der Wahl von Parteien und Medien nicht mal der Versuch unternommen, zu erklären, wofür man mit einer Entscheidung für diese oder jene Partei denn im europäischen Kontext überhaupt Stellung bezieht.
Stattdessen wurde lediglich ganz und gar schwammig an diffuse Zu- oder Abneigungen apelliert...
 
Aber gar nichts wählen zu gehen und hinterher glibberig zu salbadern ist auch keine Lösung.
 
Schön zu hören, dass immerhin Du anscheinend deinen staatsbürgerlichen Pflichten nachgekommen bist, lieber boe - ob mein Text in punkto Glibberigkeit auch nur annähernd an das nicht vorhandene politische Profil der zur Wahl stehenden Alternativen heranreicht? Ich glaube es kaum.

Streng genommen muss man meiner Meinung nach schon ein gehöriges Maß an Naivität aufbringen, wenn man ernsthaft glaubt, durch Wählen auf politische Prozesse Einfluss nehmen zu können.

Schimpf mich meinetwegen einen Anti-Demokraten (der ich definitiv nicht bin) aber für mich sind diese vermeintlichen Wahlmöglichkeiten nur eine Illusion und die Vorspiegelung falscher Tatsachen durch die Lobbyisten der globalen Industrie- und Finanz-Oligarchien.

Demnach dürfte ich eigentlich gar nicht wählen gehen, tu es aber gelegentlich trotzdem, wenn bei mir die Hoffnung auf Besserung der Verhältnisse wider besseres Wissen einmal Oberwasser bekommt, das war bei dieser Wahl aber nicht der Fall...
 
dann wäre es doch besser, sich politisch zu engagieren statt nur zu hoffen und zu schimpfen, oder?

natürlch kommen jetzt die üblichen einwände das geprägte stammhirn emporgekrochen al la "bis man wirklich politisch was bewegen kann, ist man durchs jahrelange hochbuckeln eh versaut". die grünen haben aber auch mal nur mit latzhosen, stricknadeln und vielen widersprüchen angefangen. egal wo sie heute stehen, hätte es sie in der brd nicht gegeben, hätten wir in ökologischer, energiepolitischer und auch wirtschaftlicher hinsicht heute ein paar problemchen mehr unterm kopfkissen. ich denke, wer kritisch denkt und zu öffentlichen äußerungen in der lage ist, hat durchaus das zeug, vorausgesetzt lust und zeit und engagement, sich wie auch immer politisch zu betätigen.

du könntest, die genannten bedingungen vorausgeschickt, z.b. diese webseite als anfangspunkt nehmen, etwas zu bewegen. oder deine kontakte in der lokalen pressewelt nutzen, um eigene ideen umzusetzen und missstände anzuprangern, andere wachzurütteln.

mir steht es nicht zu, wen auch immer zu beurteilen oder anti-demokraten zu schimpfen. und naiv bin ich auch nicht, obwohl ich andere gedankengänge verfolge als du, zumindest in manchen dingen. :-) und natürlich kann man mit wahlen situationen verändern. ganz platt gesagt: ganz nrw wählt mal extrem rechts, die kiste kippt und schon sieht die sitzverteilung in der eu lustig brauner aus. guck dir doch mal die ösis an. wollen WIR das? nein, ich zumindest nicht. und bevor ich den kaum unterscheidbaren etablierten parteien mein kreuz aufdrücke oder ein-programm-spontis wie den piraten oder nur-bis-zum-horizont-guckern wie den violetten, da male ich doch lieber das feld für die aus, durch die wenigstens der nachhaltig-ökologische gedanke hochgehalten wird, auch wenn in anderen immens wichtigen sachen nicht viel dahinter stecken mag. die grünen sollen, wenn’s nach mir geht, ja nicht europa alleine regieren. aber so ein drittel aller stimmen vom ganzen kuchen, das wäre doch ein kracher, den ich noch erleben möchte. :-)

in diesem sinne träume ich mal ideologisch weiter, soviel von mir zum füllstand der kommentarkiste.

besten gruß,
derboe
 
Chapeau, Üdo - nicht schlecht gebrüllt, demokratischer Löwe!

Aalso: weil ich Urlaub und darum vergleichsweise gute Laune und ungewohnt viel Zeit zum kommentieren habe, biete ich hiermit feierlich an, in meinem letzten Beitrag den Begriff "Naivität" durch wahlweise "Gottvertrauen", "Zuversicht" oder "Vertrauen in die Selbstheilungskräfte der Menschheit" zu ersetzen.

Was das notwendige Verhindern brauner Demagogen angeht sind wir ja eh einer Meinung. In diesem Sinne abschließend von mir ein hochpolitisches Statement in die Debatte geschleudert: "Love & Peace!" oder meinetwegen wahlweise auch "Sex & Intelligence & Rock'n'Roll!" :-D
 
Ich nehm dann die Sache mit dem Sex und dem Peace, und ein Pils dazu wär auch nicht schlecht. ;-)

Hach, was wären die Tage eines berufsmäßig nebenbei Internetsurfenden ohne diese kleinen Handgemenge. :-)))
 
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