Nach der Wahl ist vor der Wahl
Editorial
Das war's also mal wieder: Europa hat gewählt und kaum einen hat's interessiert. Der Wahltag ist vorbeigezogen wie die heutige Regenfront, und wenn man jetzt hinterher die unvermeidlichen Visagen im Fernseher sieht, freut man sich einfach nur über die ersten Sonnenstrahlen. All die Verlierer, die sich die Niederlage schönreden, die vorgeblichen Gewinner, die natürlich schon immer alles richtig gemacht haben, dezent ignorierend, dass sie mit ihren schlauen Konzepten in absoluten Zahlen nicht einmal 15 Prozent der Menschen überzeugen konnten. Nicht zuletzt die ach so investigativen Journalistendarsteller, die aus purem Selbstbeweihräucherungs-Reflex derart mechanisch kritisch hinterfragen, dass es irgendwann einfach nur noch nervt.
Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, im Rahmen dieser von mir geschaffenen bescheidenen lokalen Informations-Plattform ein wenig zur Wahl-Motivation beizutragen, konnte mich aber in den letzten Wochen, bedingt durch private, berufliche und katzengesundheitliche Gründe hier nicht in dem Maße engagieren, wie ursprünglich geplant. Schlimmer noch: nach erfolgreicher Bewältigung der meisten Probleme und der damit einhergehenden allmählichen Entspannung an allen Fronten wollte ich mich heute nicht einmal dazu aufraffen, das zuständige Wahllokal mit meinem Erscheinen zu beglücken.
Zum nächsten Wahltermin gelobe ich hiermit Besserung, versprochen! Wenigstens kommunal- und bundespolitisch will ich von meinem vereintlichen Mitbestimmungsrecht Gebrauch machen. Also lokal auf jeden Fall, da kann man den Siegern hinterher wenigstens noch quasi persönlich auf die Füße treten oder zumindest auf die Finger schauen.
Im Bund gestaltet sich die Angelegenheit schon schwieriger: da haben wir auf der einen Seite mit dem komplett persönlichkeitsbefreiten Frank "Aufbackbrötchen" Steinmeier gewissermaßen den Jürgen Klinsmann der SPD, nur ohne Visionen. Das Merkel ist für mich sowieso unwählbar - so alt kann ich gar nicht mehr werden, dass ich irgendwann mal auf Unions-Kurs geraten könnte. Die Grünen, unter deren Mitregierung sich Hedgefonds und perverses Wetten auf sinkende Börsenkurse erst zu voller Blüte entwickelten, haben sich bekanntermaßen zur ökologisch verbrämten FDP für die noch etwas besser verdienenden entwickelt. Gysi ist mir zwar regelrecht sympathisch, Lafontaine gar ein Landsmann (jahaa: ich bin gebürtiger Saarländer!) dafür aber leider aus anderen Gründen praktisch unwählbar? Wo soll das nur hinführen? Wir werden es erleben...
Tot ziens!

Euer Dieter M. a.k.a. Tien Anton
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