SU-Rock-Konzert: Schüler füllen Schüler ab
Eigentlich war ich ja gestern rein privat beim
"Schrock"-Event auf dem Viersener "Platz ohne Namen" - im Volksmund "Sparkassenvorplatz", ein Bericht war nicht geplant. Ich wollte mir lediglich die Fortschritte von NOTYET! ansehen und -hören, die ich seinerzeit bei ihrem Auftritt als Vorgruppe beim
Tien-Anton-Konzert mit Beat!Beat!Beat! kennengelernt hatte. Leider war ich mit meiner Begleiterin zu spät dran, der Ausfall einer Band hatte den Zeitplan etwas durcheinander gewirbelt, so dass um kurz nach 21 Uhr der NOTYET!-Gig gerade vorbei war, als wir ankamen.
Noch um einiges überraschter als von der Nachricht des verpassten Konzertes waren wir allerdings vom Grad der Alkoholisierung des größtenteils deutlich minderjährigen Publikums vor Ort. Schon zur Begrüßung empfing uns der anheimelnde Sound zerklirrender Flaschen und Gläser untermalt vom charmanten Kreischen kampfbetrunkener geschätzt vierzehnjähriger Teenie-Mädchen.
Nun ist es ja nicht so, dass ich in dem Alter nicht auch jede Gelegenheit genutzt hätte, zur Steigerung der Partylaune irgendwie an alkoholische Getränke zu kommen. Meistens ist uns das mit Hilfe verschiedenster konspirativer Taktiken auch damals schon gelungen. Uns bei einer öffentlichen Veranstaltung mitten in Viersen am Bierstand unseren Nachschub zu besorgen wäre uns allerdings seinerzeit im Traum nicht eingefallen. Der Schmach, mit einem abfälligen Grinsen bedacht, wieder weggeschickt zu werden hätten wir uns schlicht nicht aussetzen mögen.
Nicht so am Samstagabend in Viersen: der größte Teil der in der Mehrheit geschätzt 13- bis 16-jährigen Teenager bekam anstandslos sein frischgezapftes Helles am Bierstand. Mitgehörter Dialog zwischen weiblichem Gast und männlicher Bedienung: "Zwei Bier bitte!" - "Seid ihr schon 16?" - "Ja!" - "Ich muss das fragen - hier euer Bier!". Derlei augenzwinkernde Übereinkünfte waren augenscheinlich die Regel, was nicht weiter verwunderte, schließlich trafen sich hier auf beiden Seiten der Theke meistenteils Gleichaltrige. Eine auch nur annähernd erwachsen wirkende Zapfkraft war jedenfalls weit und breit nicht zu entdecken.
Pikant wird diese überaus lässige Handhabung der Jugendschutzbestimmungen besonders vor dem Hintergrund, dass das Ganze eine kaum kaschierte Wahlkampfveranstaltung der Viersener CDU war, deren Vorsitzender und Bürgermeisterkandidat Paul Mackes die Jugendlichen zu Beginn der Veranstaltung noch mit einem Grußwort bedacht hatte. Ob die Absenkung der Altersgrenze für den Erwerb alkoholischer Getränke von 16 auf 14 Jahre Teil des Wahlprogramms der Union ist?
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