27.11.09

Hannahs Indien-Tagebuch

Erlebnisse einer jungen Viersenerin auf dem indischen Subkontinent


Hannah Mai aus Süchteln-Hagenbroich ist nach bestandenem Abitur noch unsicher, in welche Richtung sie ihr weiteres Leben lenken will. Nach vergeblichen Bemühungen um ein Auslandsjahr bei verschiedenen kulturellen und sozialen Organisationen fasst sie den Entschluss, sich auf eigene Faust zu einer viereinhalbmonatigen Reise durch Indien und Nepal aufzumachen. Für Tien Anton berichtet Hannah in Wort und Bild von ihren Erlebnissen. Eine ständig aktualisierte Galerie mit Fotos von ihrer Reise gibt es bei Flickr.

Folge 5:
Einmal quer durch Nepal

Nach einigen anstrengenden Tagen in Kathmandu, der verdreckten Hauptstadt Nepals, habe ich auf der Strasse zufaellig Steffen und Tina aus Jena wiedergetroffen! Wie in einem vorherigen Bericht erwaehnt, sind wir uns zum ersten mal in Neu Delhi begegnet. Wir sind zusammen einen Kaffee trinken gegangen und schnell hat sich herausgestellt, dass wir fuer unsere weitere Reise den gleichen Plan haben: Mit dem Bus durchs gesamte nepalesische Terai um dann die oestliche Grenze Richtung Darjeeling zu ueberqueren. Spontan haben wir uns entschlossen dieses Abenteuer gemeinsam zu bestreiten und so ging unsere Reise schon zwei Tage spaeter los. Mit dem Bus sind wir zunaechst (zurueck) durch die Berge zum Chitwan National Park. Dort haben wir zwei Naechte verbracht, bei einem ausfuehrlichen Dschungel-Spaziergang konnten wir ein grosses Krokodil so wie diverse Voegel in freier Natur beobachten.

Es folgte eine voellig chaotische Busfahrt in die hinduistische Pilgerstadt Janakpur. Laut Reisefuehrer ist diese der touristisch interessanteste Ort im Terai doch als wir dort ankamen wurde schnell klar dass Janakpur definitiv KEIN Touristenort ist. Nachdem wir aus dem Bus ausgestiegen sind haben uns mindestens ein dutzend Rikschafahrer umzingelt und verfolgt, als wir uns doch lieber zu Fuss auf die Suche nach einem Hotel machen wollten. Wenn wir kurz stehengeblieben sind um uns die Karte im Reisefuehrer anzuschauen hat sich innerhalb weniger Sekunden eine Traube von 20 - 30 Maennern und Jungen um uns gebildet, die uns mit grossen Augen anstarrten.



Am naechsten Tag haben wir uns die Stadt mal bei Tageslicht angeschaut. Besonders schoen ist sie nicht, sehr vermuellt und staubig, doch einen huebschen Tempel gibt is. Es war auf jeden Fall auch schon mal etwas entspannter als am Abend zuvor, da wir keine grossen Rucksaecke auf hatten. Das Gestarre blieb natuerlich trozdem und angequatscht wurde man auch oft. An einem der Tempel zum Beispiel, da war eine Gruppe junger Maenner (alle mindestens einen Kopf kleiner als wir) die wollten, dass wir ein Photo von ihnen machen. Unmittelbar danach wurde jedoch klar, das dies nur als Entschuldigung dafuer dienen sollte, dass sie uns ablichten! Sie alle zueckten blitzschnell ihre Handys und machten, ungefragt, dutzende Bilder von uns. Das ganze war schon ein bisschen seltsam aber irgendwie auch lustig.




Am naechsten Morgen ging es um 5 Uhr frueh weiter bis zur Grenze. Wir haben extra um 6 Uhr den "Expressbus" genommen, da dieser angeblich nur 5 Stunden braucht. Daraus wurden dann wundersamerweise 9. Ungefahr eine halbe Stunde vor der Ankunft an der indischen Grenze war dann auch noch die Strasse von einem wild diskutierenden Mob versperrt. Was da genau los war wusste keiner aber so was passier nunmal in Nepal. Man muss sich damit abfinden nicht immer eine Erklaerung zu bekommen.




Hinter der Grenze haben wir erstmal einen langen Fussmarsch hinter uns gebracht, so wie diverse buerokratische Huerden, um anschliessend in einen Klapperbus mit lebensmuedem Fahrer zu steigen der uns nach Siliguri gebracht hat. Einen Tag darauf sind wir dann, nach einer ruckeligen Jeepfahrt, endlich im eiskalten und mueckenfreien Darjeeling angkommen.