Fehlstart für neuen Maas-Wupper-Express
Der Wechsel zur privaten "Eurobahn" auf der Strecke Venlo-Hamm beginnt aller Voraussicht nach mit einer peinlichen Pleite und wochenlangen Unannehmlichkeiten für die Bahngäste.
Dienstagabend 19:20, Mönchengladbach Hauptbahnhof, Gleis 7: Der "Maas-Wupper-Express", im Volksmund auch gerne als "Kiffer-Express" bezeichnet, quittiert die fahrplangemäße Zwangspause zum Richtungswechsel mit einer temporären Disco-Lightshow. Da beim rhythmischen An-Aus der kompletten Zugbeleuchtung an Weiterlesen nicht zu denken ist, strecke ich vage neugierig den Kopf aus dem Fenster und erspähe auf dem Bahnsteig meinen Lieblings-Zugbegleiter, einen distinguierten, stets ausnehmend höflichen und zuvorkommenden älteren Herrn mutmaßlich arabischer, nordafrikanischer, vielleicht auch türkischer Herkunft.
Besänftigend lächelnd erklärt er die elektrotechnischen Kapriolen mit der Alterschwäche des Materials und stellt in Aussicht, das Flackern werde aufhören, sobald der Lokführer seinen Platz im Führerstand des, nach dem Fahrtrichtungswechsel, nunmehr vorderen Waggons eingenommen habe. "Naja," sage ich "müssen ja jetzt nicht mehr lange durchhalten, die alten Züge." - "Ein bisschen aber schon noch." erwidert der vorbildliche Bahn-Bedienstete. Meinen verwunderten Gesichtsausdruck quittiert er mit der lapidaren Feststellung: "Die
Eurobahn hat Probleme."
Im weiteren Verlauf des Gespräches erfahre ich, dass die Zugbegleiter der Bahn von ihren Vorgesetzten darüber in Kenntnis gesetzt wurden, dass ihre Dienste auf der Strecke zwischen Venlo und Mönchengladbach auch nach der
Übernahme des Maas-Wupper-Express durch die Keolis-Eurobahn am 13. Dezember für vorraussichtlich weitere drei Monate benötigt werden. Die Eurobahn schaffe es nicht, die von niederländischer Seite vorgeschrieben Vorgaben für den grenzüberschreitenden Personenverkehr zu erfüllen. Soweit er das mitbekommen habe gehe es wohl unter anderem um vorgeschriebene Niederländisch-Kenntnisse des Zugpersonals.
Bis die Eurobahn ihre Mitarbeiter entsprechend geschult hat werden die Fahrgäste von Venlo Richtung Düsseldorf und Hamm erst ab dem Gladbacher Bahnhof in den Genuss der schicken neuen
"Flirt"-Züge kommen. Dabei ist in beiden Fahrtrichtungen jedes Mal Umsteigen angesagt, da zwischen Venlo und Mönchengladbach bis auf weiteres die Uralt-Züge der Bahn verkehren. Man darf jetzt schon gespannt sein, ob die schönen neuen Keolis-Bahnen in Gladbach auf die Fahrgäste aus Viersen und dem Grenzland warten werden, wenn das altersschwache Gerät der Bahn AG mal wieder von "betriebsbedingten Störungen" heimgesucht wird.
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